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Bachelor-, Master-, Diplomarbeiten │ 25. Oktober 2018

Hintergrund:

Die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen (UN) beziehen sich u.a. auf nachhaltige Städte und Gemeinden (SDG Nr. 11), auf nachhaltigen Konsum und Produktion (SDG Nr. 12), als auch auf die Verfügbarkeit und den Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen für alle (SDG Nr. 6). Parallel fordern u.a. der Weltagrar-Rat, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO) oder die Europäische Kommission den Aufbau von (regionalen) Kreislaufwirtschaften um die Nahrungsmittelproduktion langfristig zu sichern. Besonderer Fokus liegt dabei auf integrierten Ansätzen, in denen Ressourcenschonung, Klimaschutz und Nährstoffrecycling zusammenwirken.

Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung ihre nationale Nachhaltigkeitsstrategie 2016 überarbeitet und die Umsetzung und Weiterentwicklung des Deutschen Ressourceneffizienzprogrammes als auch des Abfallvermeidungsprogramms definiert (BReg, 2016). Ziel dieser Maßnahmen zur Schaffung von Kreislaufwirtschaften ist es u.a. durch eine effektive Nährstoffrückgewinnung aus Abfallströmen die Recyclingquote zu erhöhen. Eine wertvolle Ressource zum Aufbau von Nährstoffkreisläufen sind auch menschliche Fäkalien: eine Person in Europa „produziert“ jedes Jahr in etwa 5,7 kg Stickstoff, 0,6 kg Phosphor und 1,2 kg Kalium (Wolgast, 1993). Wenn durch eine adäquate hygienische Behandlung die Qualitätssicherung gewährleistet werden kann, können Recyclingprodukte aus Ausgangssubstraten menschlicher Herkunft prinzipiell auch im Gartenbau oder in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzt werden.

Fragestellung:

Was sagen jedoch europäische und nationale Gesetze dazu? Ist das Recycling von Nährstoffen aus menschlichen Fäkalien erlaubt, verboten, gefördert…; was gibt es für Vorgaben? Und wer sagt eigentlich was?

Bekannt ist: eine Verwertung von Nährstoffen aus menschlichen Exkrementen wird durch existierende rechtliche Regelungen bisher wenig beachtet was auch die praktische Umsetzung erschwert. Die Nährstoffressource „Menschliche Fäkalien“ wird in europäischen Gesetzen, Richtlinien und Verordnungen meist nicht explizit adressiert; es existieren lediglich verschiedene Arten „tierische Exkremente“ und „Klärschlamm“. In Deutschland besitzen menschlicher Urin oder Fäzes bzw. Inhalte aus Trockentoiletten keinen Abfallschlüssel nach Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) und dürfen daher von Kompostierwerken nicht kreislauforientiert verwertet werden.

Aber wie sieht die Gesetzes-Lage in Deutschland genau aus und wie in anderen europäischen Ländern wie z.B. Dänemark, Norwegen oder Frankreich? Das möchten wir uns zusammen mit Studierenden der HU oder TU Berlin anschauen, die sich für interdisziplinäre Arbeit und Kompost-Klos interessieren.

Untersuchungsansatz:

  1. Schritt: Literaturrecherche zur thematisch-relevanten Gesetzeslage im Bereich Abfall- und Düngerecht (z.B. AbfV, KrWG, DüMV, DüV) sowie zu Akteuren, Stakeholdern und Institutionen.
  2. Schritt: Analyse des alternativen Sanitärsektors, bei einer…

Bachelorarbeit mittels vergleichender Literaturanalyse:
D.h. Vergleich des Status-Quo auf EU-Ebene und verschiedenen Ländern, wie bspw. Deutschland, Dänemark, Frankreich, oder Schweiz. Die Analyse soll dabei neben einer rein deskriptiven Beschreibung (z.B. Vergleich von institutionellen Strukturen, Inhalt/Struktur der Gesetze/Verordnungen etc.) auch Erklärungen (z.B. von kausalen Zusammenhängen, Ursache-Wirkungs-Beziehungen etc.) sowie Prognosen (z.B. Vorhersage möglicher Entwicklungen) umfassen.

Masterarbeit mittels Konstellationsanalyse: Diese interdisziplinäre Methode wurde an der TU Berlin am Zentrum für Technik und Gesellschaft konzipiert und gilt als interdisziplinäres Brückenkonzept für die Nachhaltigkeits-, Technik- und Innovationsforschung. Dabei werde die engen Verflechtungen von technischen, natürlichen und sozialen Entwicklungen in der Analyse besonders beachtet.

Die Arbeit wird vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau Großbeeren (IGZ) in Kooperation mit der TU Berlin (Prof. Rotter, Fachgebiet „Kreislaufwirtschaft und Recyclingtechnologie“ und Prof. Köppel Fachgebiet „Umweltplanung“) und der HU Berlin (Prof. George, Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften) ausgeschrieben und betreut. Es ist möglich, das Thema als Tandem zu bearbeiten. Zeitraum: ab November 2018 // Sprache: Betreuung und Bearbeitung ist auf Deutsch oder Englisch möglich.

Ansprechpartner*innen:

Ariane Krause und Franziska Häfner, Arbeitsgruppe „Circular Economies & Nutrient Cycling“ am Großbeeren, E-Mail: sieugreen@igzev.de

Albrecht Fritze, Fachgebiet „Kreislaufwirtschaft und Recyclingtechnologie“ TU Berlin, E-Mail: a.fritze@tu-berlin.de