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Abstract

Modellversuch zur Feinstaubbindung: extensive Dachbegrünung vs. Schotterdach.

Die stark zunehmende Luftverschmutzung urbaner Räume durch Feinstaub stellt ein Problem für die menschliche Gesundheit dar. Pflanzen besitzen die Eigenschaft, Luftpartikel an ihre Oberfläche zu binden und somit aus dem Luftraum zu entfernen. Dachbegrünungen können dazu beitragen, die Feinstaubbelastungen in der Stadt zu reduzieren. Um Dachbegrünungen mit einem hohen Filtervermögen zu identifizieren, fehlen bisher entsprechende Testverfahren. Unter kontrollierten Bedingungen in einer 1 m3 großen Plexiglaskammer erfolgten Versuche zum Filterpotenzial unterschiedlicher Dachbegrünungsmatten. Verglichen wurden Geotextilmatten mit Sedumbewuchs und mit Moosbewuchs. Als Kontrollen wurden unbewachsene Geotextilmatten sowie Schotter verwendet.

In die Messkammer wurde künstlicher Feinstaub (Feuerlöschpulver) appliziert und die Konzentration der 0,3, 0,5 und 1 µm großen Partikelfraktionen über einen Zeitraum von 90 min gemessen. Innerhalb des Zeitraumes wurde mittels eines Ventilators eine Windgeschwindigkeit von 2 m/s für 5 min erzeugt. Die Feinstaubbindung der Prüfvarianten wurde anhand der Differenz der Partikelkonzentration nach Applikation des Staubes (Konzentrationsmaximum) und der Konzentration zum Ende des Versuches bestimmt. Nach 90 minütiger Staubexpositionen waren in den Behandlungen mit Sedummatten signifikant niedrigere Staubkonzentrationen zu verzeichnen als in den Kontrollen (Reduktionen von: 11,3 % die 0,3 µm Fraktion, 30,9 % die 0,5 µm Fraktion, 33,4 % die 1 µm Fraktion). Keine der Mattenvarianten konnte den Feinstaub der 0,3 µm Fraktion bei einer Windgeschwindigkeit von 2 m/s binden. Hingegen reduzierten sowohl die Moos- als auch die Sedummatten unter Wind die größeren Staubfraktionen in der Luft signifikant gegenüber den Kontrollen. Die Filterleistungen von Sedum werden vorrangig auf die große Oberfläche der Pflanzen zurückgeführt.

Inwieweit Pflanzen Feinstaub im Freiland dauerhaft binden, abbauen oder festlegen können, kann durch den experimentellen Ansatz nicht geklärt werden. Eine Differenzierung zwischen den Mattensystemen konnte hingegen durchgeführt werden.



Sempel, F.; Gorbacheskaya, O. Mewis, I.; Ulrichs, Ch. 2013. Modellversuch zur Feinstaubbindung: extensive Dachbegrünung vs. Schotterdach. Gesunde Pflanzen 54 (3), 113-118.