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Abstract

Die Fremdbefruchtung bei Erica gracilis hat keine Auswirkung auf die Blütenhaltbarkeit.

Erica gracilis gehört zu den wichtigsten Beet- und Balkonpflanzen in Nordeuropa. Die Produktion von E. gracilis beruhte von 1929 bis 2006 vor allem auf Klonen und Mutanten der Sorte ’Glasers Rote‘. Diese sind weitestgehend selbststeril, weswegen eine kreuzungsbasierte Züchtung bei E. gracilis lange nicht möglich war. Ab 1980 wurde Wildmaterial aus Südafrika erfolgreich eingekreuzt und neue, kreuzungskompatible Sorten entstanden. Seit dem Anbau der neuen Sorten fiel jedoch auf, dass Erikabestände öfter vorzeitig verblühen. Dieses vorzeitige Verblühen ist möglicherweise auf eine erfolgreiche Befruchtung der Blüten seit dem Anbau der neuen Sorten zurückzuführen, was vorher durch den dominierenden Anbau von ’Glasers Rote‘-basierten Sorten ausgeschlossen war. Eventuell besitzen neue Sorten sogar die Fähigkeit der Selbstbefruchtung.

Unsere Untersuchungen ergaben, dass sich ’Glasers Rote‘-basierte Sorten durch ihre hohe genetische Ähnlichkeit deutlich von den neuen Sorten abgrenzen. Während die alten Sorten eine geringe genetische Variation zueinander aufweisen, zeigen die neuen Sorten eine wesentlich höhere genetische Variation zu ’Glasers Rote‘ als auch untereinander.

Anhand von Selbstungen und gezielten Kreuzungen wurde die Kreuzungskompatibilität der alten und neuen Sorten untersucht. Alle getesteten Sorten waren bis auf eine Ausnahme selbststeril. Kreuzungen zwischen ’Glasers Rote‘-basierten Sorten blieben ebenso erfolglos. Dagegen waren alle Kreuzungen von ’Glasers Rote‘-basierten mit neuen Sorten und zwischen den neuen Sorten erfolgreich.

Anschließend untersuchten wir, ob sich eine erfolgreiche Befruchtung auf die Haltbarkeit der Blüten auswirkt. Dazu wurden an frei abblühenden und vor Fremdbestäubung geschützten Pflanzen von 12 Sorten der Beginn der Vollblüte und die Dauer, bis die Triebe zu 25% verblüht waren, erfasst. Der Blühbeginn erstreckte sich von Anfang September bis Anfang November und variierte deutlich zwischen den verschiedenen Sorten. Die anschließende Blühdauer betrug 5 bis 8 Wochen, im Durchschnitt 6 Wochen. Nur 3 Sorten zeigten eine signifikant kürzere Blühdauer bei freier Abblüte im Vergleich zu Pflanzen, die vor Fremdbestäubung geschützt waren. Da die Mehrheit der Sorten keinen signifikanten Unterschied zeigte, ist davon auszugehen, dass die Befruchtung an sich meist keinen Einfluss auf die Haltbarkeit der Blüten hat. Demzufolge ist ein Mischanbau verschiedener Sorten möglich.



Tränkner, C.; Müller, A.; Hohe, A. 2017. Die Fremdbefruchtung bei Erica gracilis hat keine Auswirkung auf die Blütenhaltbarkeit. Tagungsband der 51. DGG & BHGL Jahrestagung, Osnabrück, 01.-04.03.2017.